dark matter essay
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Es war in den frühen 90ern als ich den Film „Indien“ im Kino sah. 30 Jahre später – ohne Hader zwischendurch in jedwelcher Art konsumiert zu haben - erinnert mich „Andrea lässt sich scheiden“ an ebendiesen. Josef Hader, den ich in meiner Jugend verehrte, verursacht heute ein Gefühl der Regression: den Eindruck, sich nicht weiterentwickelt zu haben und ewig in derselben Welt von Drama, Tragödie, Hundstagen und deixesken Charakteren gefangen zu sein. Es gibt keinen Ausweg aus dieser Welt, außer vielleicht der von Thomas Bernhard zelebrierten „Auslöschung“. Aber das will Hader nicht. Er suhlt sich im kollektiven Schmerzkörper der Schluchtenscheißer. Er trägt seinen Teil dazu bei diesen am Leben zu erhalten.

Dass ich nicht mehr von diesem Film gehört habe, obwohl ich St. Pölten, den Schauplatz des Geschehens, nun meine zuhause nenne, wundert mich nicht. Die Verantwortlichen des Stadttourismus werden sich das Werk ohne Zweifel zu Gemüte geführt und sich ob der siloartigen Stimmung gegen eine Bewerbung entschieden haben. Insbesondere an einer Szene zwischen Hader und Protagonistin Minichmayr dürfte niemand im Stadtmarketing ohne Kopfschmerzen vorbeigekommen sein: Minichmayr erscheint bei Haders baufälligem Haus mit einem Koffer. Er fragt: „Wohin geht die Reise?“ Sie: „Nach St. Pölten.“ Er: „Urlaub in St.Pölten?“

Haders cineastisches Schaffen ist schwarz und es hat sich seit 30 Jahren nicht verändert. Der gesunde Mensch jedoch hat ein natürliches Bedürfnis sich weiterzuentwickeln und andere Perspektiven einzunehmen. Hader war für mich schon früh ein Modell, die Heimatgesellschaft zu betrachten, das es zu überwinden galt. Frei nach Carl G. Jung war Hader Teil jenes Paketes, das man im Prozess der Individuation zurückzulassen muss. Die Kulturen, in denen wir geboren werden, geben uns die Möglichkeit andere Kulturen in Relation zu unserer eigenen zu betrachten und zu verstehen.

Haders Unfähigkeit, seiner Herkunftsgesellschaft in nur einem kreativen Werk etwas positives abzugewinnen ist konsternierend. Ein gesunder Mensch, der nicht von Apathie oder Ignoranz in seiner Handlungsfähigkeit beschränkt ist, müsste sich entweder als Optimist dazu aufraffen, etwas zum Positiven zu verändern oder als Realist die Ferne zu suchen. Hader jedoch, schöpft immer wieder Energie aus der Beobachtung der oft durch Alkohol-Missbrauch verursachten kakanischen Misere und serviert diese in aufgearbeiteter Form dem Publikum, das er beschreibt. Zeigte Buddha den Weg zur Erleuchtung und aus der leidbesetzten Wiedergeburt, so zeigt Hader kontinuierlich wie Herr und Frau Österreicher auf immer und ewig im Sumpf gefangen bleiben.

Ich würde mir wünschen, dass Josef Hader einen crash course bei Adam Sandler belegt. Dort könnte er lernen, wie man als Regisseur ein scharfes Auge für gesellschaftliche Beobachtungen mit einfach zugänglichem Humor verbindet. Das Publikum wäre ihm für einen angenehmen Kinoabend sicherlich dankbar. Sieht man von der negativen Grundstimmung ab, so zeigt das Drehbuch ein dramaturgisches Geschick und eine erzählerische Begabung, die Hader auch für die Inspiration der Menschheit einsetzen könnte, nein sollte.

Der Umstand, dass eine in Trennung befindliche Polizistin, ihren betrunkenen Ex unabsichtlich überfährt, aber nach Wiederbelebungsversuchen Fahrerflucht begeht, sodass dieser von einem frustrierten Religionslehrer ein zweites Mal überfahren werden kann, wird von Hader in einen mit Schuld und Scham versetzten Jacuzzi verwandelt, der bis zum Ende des Films beide Protagonisten einander wiederholt begegnen und kein Entkommen lässt.

Es sind unsere Emotionen, so scheint Hader auf einer sehr subtilen Ebene zu predigen, die uns gefangen halten. Aber nochmals betone ich: es wäre wunderbar, wenn Hader sein erzählerisches Talent für Dantes Weg gen Himmel verwenden würde, als wieder und wieder den Abstieg in Purgatorio und Inferno aufzuarbeiten.

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